Authentisch miteinander leben

Von Jürgen Fredrich | 1 September, 2018

Die Immanuel-Gemeinde (IG) ist das Zuhause für Familien und Singles, Alte und Junge aus vielen Nationen, die versöhnt miteinander leben, respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen, einander dienen, voneinander lernen, einander fördern und herausfordern, sich gegenseitig ermutigen und füreinander da sind. Jeder kann aus Erfahrung sagen: Ich bin in der IG zuhause.

Erinnert ihr euch noch? So haben wir vor kurzem den Traum von unserem Miteinander formuliert und auf den Punkt gebracht. Das beschreibt mehr als nur ein normales Vereinsleben. Das ist viel mehr als nur das Miteinander einer x-beliebigen Interessensgemeinschaft. Eine Gemeinschaft mit dieser Qualität hat das Zeug, ein Trendsetter zu werden.

Unter Trendsetter versteht man eine Person/Organisation, die einen neuen Trend einführt oder neue Standards setzt. Da überlegen sich z.B. ein paar Modemacher, was wir im nächsten Jahre anziehen sollen, und die allermeisten halten sich auch daran, nur um “in” zu sein. Ein Trend wird allgemein als eine neue Auffassung / Richtung definiert. Wenn die Gemeinde Jesu die Auffassung Gottes vom Leben und unserem Miteinander in dieser Welt hör- und sichtbar macht, dann wird sie zur Trendsetter-Gemeinde - weil Gottes Vorstellungen vom Leben alles weit übertreffen, was Menschen sich ausdenken können.

Ich bin davon überzeugt, dass das die Bestimmung der Gemeinde Jesu war und ist - bis heute. Wir sollen nicht den Trends dieser Welt hinterherlaufen und irgendwie versuchen, es ihr nachzumachen, nur um sich zu beweisen: wir sind doch gar nicht so komisch und weltfremd, wie man immer behauptet. Auch die IG soll die Trends/Standards des Himmels hier auf dieser Welt einführen. Jesus hat es so ausgedrückt: Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt. (Mt5.14)

Die erste Gemeinde in Jerusalem war so eine Trendsetter-Gemeinde. Sie kümmerte sich z.B. auf vorbildliche Weise um die sozial Benachteiligten in ihren Reihen - für die damalige Zeit etwas ganz Neues. Sie ließ nicht zu, dass Menschen aufgrund ihrer Armut am Rand der Gemeinschaft blieben. Sie teilten alles miteinander, die Wohlhabenden gaben den Bedürftigen und brachten damit zum Ausdruck: wir gehören zusammen und sind füreinander da. Aufgrund dieser neuen Einstellung zueinander, wurde diese Gemeinde zum Zuhause für Tausende. (Das Christentum hat übrigens vieler solcher Trends auf den Weg gebracht, die wir heute im Sozialstaat für eine Selbstverständlichkeit halten)   Eine Gemeinschaft, die ein echter Trendsetter sein/werden will, braucht unbedingt eine ganz besondere Eigenschaft: authentisch sein. Das griech. Wort: authentikós übersetzt man am besten mit “echt-sein”. Es setzt sich aus 2 Wörtern zusammen: autos = selbst und ontos = sein. Wir sind dann authentische Menschen, wenn wir „wir“ selbst sind.

Ein authentischer Mensch versucht nicht, sich besser, klüger, kompetenter, reifer oder geistlicher darzustellen, als er wirklich ist. Er ist, wie er ist, aber er will auch nicht so bleiben, wenn es Gott nicht gefällt. Ein solcher Mensch versteckt sich nicht hinter Rollen, Masken oder Hochglanz-Selbstdarstellungen. Er versucht nicht, andere zu täuschen oder seine Schwächen, Fehler, Versagen oder Sünden zu schminken, zu tarnen oder unter den Teppich zu kehren. Heute wird Sünde gleichgesetzt mit Fehler oder Versagen. Das halte ich für eine verhängnisvolle Verwechslung.

Versagen beeinflusst oder belastet i.d.R. die Beziehungen unter uns Menschen. Sünde aber ist mehr als nur ein Versagen oder Fehler. Sünde zerstört nicht nur meine zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern v.a. und zuerst die Verbindung mit Gott. Deshalb braucht Sünde immer Vergebung. Nur Vergebung stellt die Verbindung mit Gott wieder her. Für einen gesunden Umgang mit Versagen und Fehlern, brauchen wir eine biblische Fehlerkultur, die es einem ermöglicht, ohne Gesichtsverlust zu seinem Versagen zu stehen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Ein konstruktiver Umgang mit Versagen hilft dem Betroffenen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Wir können aber das sündige Verhalten eines Menschen nicht einfach als Fehler deklarieren und wie einen Fehler behandeln. Sünde braucht bis heute die Vergebung Gottes. Genau dafür ist Jesus Christus für uns am Kreuz gestorben. Gott ist reich an Vergebung und schenkt uns gerne totale Vergebung, wenn wir IHN darum bitten.   Gott liebt das Echte. ER ist kein Freund von Täuschung oder Schauspielerei. Wir kennen doch diese aufgesetzte, unechte Freundlichkeit des Verkäufers, die solange währt, wie er Hoffnung auf einen Geschäftsabschluss hat. Doch gibt man diesem Menschen zu verstehen, dass man sein Ding weder braucht noch kaufen wird, verwandelt er sich von jetzt auf nachher zu einem sehr unfreundlichen, barschen Zeitgenossen. Da fragt man sich zu Recht: ist Freundlichkeit nur eine Methode oder eine echte Lebenseinstellung?

Gott gefällt das Echte. ER ist daran interessiert, dass im Leben seiner Kinder zwischen Sein und Schein kein Widerspruch besteht. ER will das Echte. ER will, dass seine Kinder authentisch leben und authentisch miteinander umgehen. Davon hängt ab, in welchem Maß wir Licht in dieser Zeit sein werden. Licht dieser Welt können wir nur dann sein, wenn Jesus, das Licht der Welt, in uns lebt und wir miteinander in seinem Licht leben. Ein echtes Miteinander ist nur in seinem Licht möglich. In 1.Joh1.7 lesen wir: “Leben wir aber im Licht, so wie Gott im Licht ist, dann haben wir Gemeinschaft miteinander.” Authentische Gemeinschaft wird für uns dort möglich und erfahrbar, wo wir bereit sind, im Licht Gottes zu leben.

Dort können die Menschen versöhnt miteinander leben, respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen, einander dienen, voneinander lernen, einander fördern und herausfordern, sich gegenseitig ermutigen und füreinander da sein. Das alles sind Kennzeichen einer authentischen Gemeinschaft.

In einer echten Gemeinschaft wird keiner sein Gesicht verlieren. Da wird keiner bloßgestellt, verliert nicht an Wert, wenn er versagt oder sich vielleicht sogar versündigt. Ja, es stimmt, jeder der sich darauf einlässt, geht auch ein Risiko ein. Wir können verletzt und enttäuscht werden. Ein echtes Miteinander verlangt deshalb von jedem eine große Bereitschaft, einander zu vergeben.

Aber der Segen von einem echten Miteinander ist unvorstellbar groß. Damit dieser Segen real werden kann, brauchen wir gesunde, gute, nachahmenswerte Vorbilder. Sie machen den anderen Mut, dieses Risiko einzugehen und zeigen den anderen, wie wir auf gesunde Weise offen und wahrhaftig miteinander umgehen. Lasst uns das miteinander lernen!   Gott liebt das Echte. ER lädt uns ein, das echte Leben mit IHM zu entdecken und gemeinsam einzuüben. Die Menschen um uns herum suchen einen Ort, wo sie echt sein können, sich nicht verstellen müssen und trotzdem Annahme, Wertschätzung, Unterstützung und Vergebung erfahren. Dort fühlt man sich nicht nur zuhause. Dort sind wir Zuhause. Möge die Immanuel-Gemeinde ein solches Zuhause werden – auch für dich!

So sei es in Jesu Namen – euer Jürgen Fredrich